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Deppi erzählt aus ihrem
Leben
Jetzt ist es an der Zeit, dass ich auch mal was
sage. Ja, wo fange ich denn nur an? Nun, ich war gerade vier Wochen alt, als ich
das Frauchen gefunden habe. Ich lebte mit ganz vielen Onkels, Tanten, Cousins
und Cousinen, und natürlich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern, in einem
Dorf nahe bei der Nordsee. Gleich nebenan war ein Campingplatz. Von dort
besuchte uns ab und zu ein Mädchen, dass da seine Ferien verbrachte. An einem
Sonntag im August 1998 kam das Mädchen zum ersten mal nicht alleine. Da war noch
diese rundliche Frau bei ihr, die sich einfach ins Gras setzte und uns zusah.
Obwohl ich Hunger hatte - die anderen mich aber von der Schüssel vertrieben -
bin ich zu der Frau gelaufen, um sie genauer zu betrachten. Das war ganz schön
viel Frau, sah aber doch recht freundlich und weich aus. Dachte, da kletter ich
erst mal rauf und beschnupper die. Mmmh, hat die gut gerochen, und so schön warm
war sie auch. Bin ich doch glatt auf ihrer Schulter ganz nah am Hals
eingeschlafen. Damit ich da nicht runter plumpse, hab' ich mich vorsorglich an
ihrem T-Shirt festgekrallt.
So im Halbschlaf habe ich einige Wörter gehört,
die die Frau mit dem Sohn des Hauses wechselte. Ich glaube, der mochte keine
Katzen. "Alle platt machen" und "werden sowieso alle verbrannt" habe ich gehört
und mich noch fester an die Frau gekrallt. Die hat mich nicht mehr abbekommen.
Ein kurzes Gespräch mit der Mutter des Jungen klärte dann unmissverständlich die
Besitzrechte an meiner Wenigkeit: Die Frau solle mich bloß mitnehmen. Ja, so bin
ich zu meinem Frauchen gekommen. Dem Herrchen hat sie erzählt, ich wäre ihre
neue Brosche.
Bei Frauchen Zuhause gab es schon eine Katze, die
Motte Meyer. Die hat sich unter dem Sekretär versteckt, als ich kam. Hatte
bestimmt große Angst vor mir. Drei Wochen ist sie mir aus dem Weg gegangen, dann
ist sie ganz plötzlich zu mir gekommen und hat mich ausgiebig geputzt. Von da an
waren wir richtig gute Freunde.
Zu meinem Namen bin ich auf merkwürdige Weise
gekommen. Viele glauben ja, dass "Deppi" daher käme, dass ich vielleicht etwas
unterbelichtet sei. Nee! Das kommt von "zerdeppern". Frauchen hat gesagt, ich
habe in zwei Wochen mehr Teller, Tassen, Gläser und Blumentöpfe zerdeppert, als
sie in zwanzig Jahren Ehe. Das muss erst mal einer nachmachen.
Sechs Jahre lang waren Motte und ich ein tolles
Gespann. Dann ist sie mit 15 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. Das
Frauchen hat wochenlang geweint. Die sah vielleicht aus, wenn sie zum
Katzenfutter verdienen ging! Verquollene, rote Augen und 'ne rote Nase. Ich wäre
bestimmt nicht so aus dem Haus gegangen! Aber Frauchen sagt, sie ist nicht so
eitel und überhaupt wäre es ihr völlig egal, dass sie so rausgeht. Aber ich war
auch sehr traurig.
Dann hatte ich das Frauchen ein ganzes Jahr für
mich alleine. Habe das sehr genossen. Und wurde immer dicker. Da hat Frauchen
wohl beschlossen, dass ich unbedingt wieder Gesellschaft brauche, damit ich
wieder etwas mehr Bewegung bekomme. Eines Tages, im August 2005, hat sie mir
dann gesagt, sie würde jetzt kurz mit Herrchen wegfahren und mir ein
Katzenküken mitbringen. Ich konnte schon förmlich die Federn schmecken - hab'
nämlich nicht richtig zugehört. Und dann mein Entsetzen, als da aus dem
Korb so ein schwarzer Troll aussteigt und nun so gar keine Ähnlichkeit mit
irgendwelchem Geflügel hat! Ne Katze! Pünktchen. Hab' mich erstmal auf die
Fensterbank verdrückt und stur in die andere Richtung geschaut. Ist doch ganz
logisch: Wenn ich die nicht sehe, kann sie mich auch nicht sehen! Drei Tage habe
ich die zappeln lassen, dann hat meine Neugier gesiegt. War ja ganz nett, die
Kleine. Nur waschen lassen wollte sie sich nicht von mir. Das fand ich doof. Wo
ich doch so eine tolle Wäscherin bin.
Wäsche ist das Stichwort. Ich liebe es, Frauchen
dabei zu helfen! Vor allen Dingen haben es mir die Handtücher angetan! Die nehme
ich immer ganz schnell vom Wäscheständer. Frauchen sagt, Wäsche aufhängen ist
für die Katz. Und ich soll jetzt lernen, wie man die Dinger zusammen legt. Das
hat aber noch Zeit, denn im Moment lerne ich lesen. Bis "L" kann ich die
Buchstaben schon. Geht fast von allein. Katz muss sich nur oft genug immer auf
das Buch legen - natürlich erst wenn es aufgeschlagen ist - das Frauchen gerade
liest. So haben wir zusammen schon jede Menge Krimis, Fantasyromane oder
historisches verschlungen. Der Sohn von dem Frauchen nennt sie immer
"Buchstaben-Junkie".
So hätten wir doch alle ein ruhiges Leben führen
können, wenn nicht plötzlich der Teddy in Not geraten wäre - und mein Frauchen
musste ihn ja unbedingt retten. Naja, der ist ja ganz süß. Aber ein
schrecklicher Weiberheld. Erst macht er Pünktchen schöne Augen, dann der Tessi,
dann verguckt der sich in die Hannah-von Grini, und jetzt will er auch noch das
Frauchen heiraten. Das wird dem Herrchen aber gar nicht recht sein. Hey Kater,
mach mal die Augen auf! Wen von euch beiden hat denn wohl das Frauchen am
internationalen Frauentag zum Tierarzt geschleppt, um den Familienschmuck
abzugeben? Mir persönlich ist der einfach zu jung und zu aktiv. Bevorzuge doch
lieber meine Ruhe und nehme meinen Schönheitsschlaf.
Überhaupt kann das junge Gemüse ganz schön nervig
sein. Wie kann man nur so viel in Bewegung sein? Jetzt wohnt auch noch die Tessi
bei uns. Die ist auch so quirlig, seitdem sie sich an uns gewöhnt hat. Lässt
sich nicht mal Angst machen. Klaut uns sogar das Futter vom Teller. Nun ist aber
Schluss, Frauchen. Noch eine Katze und ich ziehe mit Herrchen aus! Vergiss
einfach, dass du ja soooo gerne eine Ragdoll hättest. Dat is hier jetzt doll
genug. Puh, das musste ja mal gesagt werden.
Ich grüße alle meine Freunde, Deppi

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